Andreas Grün

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Hanning Schröder

1896–1987

Musik für Flöte und Gitarre (1978)

Hanning Schröder, geboren am 4. Juli 1896 in Rostock, wuchs in einer musik­liebenden Familie auf, begann früh Geige zu spielen und gründete mit 15 Jahren das „Schrödersche Haus­orchester“. Er studierte Musik­wissenschaft und Komposition in Freiburg, wo er in Julius Weismann einen Lehrer traf, der soeben den Übergang vom spät­romantischen Stimmungs­bild zu einem neobarocken, linearen Stil vollzog. Außerdem erlebte er in Wilibald Gurlitt einen Mann, der alte Musik nicht nur erforschte, sondern auch aufführte – damals noch eine Seltenheit. An der so erlebten alten Polyphonie ent­wickelte sich Schröders Komponier­ideal, der „lineare Kontra­punkt“ – ein Begriff, den Ernst Kurth 1917 prägte – wurde für ihn zur Maxime.
Er lebte dann in Berlin, unternahm Konzertreisen mit alter Musik auf historischen Instrumenten, schrieb Musik für Laien, hielt aber Distanz zur Jugend­musik­bewegung. Mit Dessau, Eisler u. a. komponierte er für den Großen Arbeiter­chor Berlin, weswegen er 1935 aus der Reichs­musik­kammer aus­ge­schlossen wurde, was einem Berufs­verbot gleich­kam.
Nach Kriegsende wirkte er zunächst im Osten und setzte sich in un­dogmatischer Weise mit der Zwölfton­technik aus­einander. Durch den Mauer­bau in seinem Wirkungs­radius auf West-Berlin ein­geengt, wurde er zum Mentor der „Gruppe Neue Musik Berlin“. Seine Musik ver­zichtete immer mehr auf jede Aus­führ­lichkeit, wurde immer knapper und spar­samer. Be­zeichnender­weise sind die letzten Werke Mono­loge: Solo­werke für Violon­cello, Orgel, Klarinette, Oboe.
Er starb am 16. Oktober 1987 in Berlin.

Quelle: Komponisten der Gegenwart, Artikel „Hanning Schröder“ von Gottfried Eberle