Andreas Grün

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Tōru Takemitsu

1930–1996

Toward the Sea

Takemitsu, der wahrscheinlich international bekannteste japanische Komponist, verbindet in seinem Schaffen nicht nur eine gewisser­maßen neo­impressionistische Klang­sensibilität mit modernen Satz- und Spiel­techniken, sondern verschmilzt darüber hinaus die westlichen musikalischen Elemente mit einer östlichen „Haltung“, wie sie uns von den asiatischen Philosophien und Religionen her bekannt ist. Es gelingt ihm damit eine Symbiose verschiedener Musik­kulturen, die mehr ist als ein Zitieren von folkloristischen Klischees oder das Verwenden exotischer Klangreize.
Sein 1981 uraufgeführtes Duo Toward the Sea mit den drei Sätzen The Night, Moby Dick und Cape Cod ist eines der ganz wenigen Stücke, das die Gitarre mit einer Alt­(quer)flöte kombiniert und daraus überaus aparte Klangwirkungen gewinnt. Fremd mag einem mit mittel­europäischen Traditionen aufge­wachsenen Zuhörer zu­nächst der meditative Duktus, die „bewegte Statik“ dieser immer wieder gleich­sam inne­haltenden, in sich kreisenden Musik erscheinen: in immer neuen Wellen erklingen einzelne Motive, Melodien, Klang­felder, kurze Ent­wicklungs­bögen, um dann zu ver­ebben, Zeit zum Nach­lauschen zu lassen, bis die nächsten Wellen wieder neue Klänge heranspülen.

Andreas Grün