Andreas Grün

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Da es aber nicht so ist
Fünf Sätze für Streichquartett

1991
 

Der Titel entstammt Franz Kafkas Erzählung Auf der Galerie (aus der Sammlung Ein Landarzt, 1919); der Bezug zu Kafka ist aber keiner auf diesen speziellen Text, sondern einer auf seine Erzähl­methode überhaupt, die eben ihren ganz para­digmatischen Ausdruck in diesen sechs Worten findet. Es ist die Art, alles Dahin­gestellte wieder zu hinter­fragen und am Ende gar zu negieren vermittels Einspruch, Widerspruch, Umdeutung, Aufhebung. So kippt immer wieder bei Kafka scheinbar Soseiendes in Anders­seiendes um: die stete Vorführung der Boden­losigkeit, der Halt­losigkeit in dieser Welt (was freilich nichts mit Nihilismus zu tun hat, wie häufig fehl­interpretiert wird, sondern gerade bei Kafka vielmehr ein Verweis ist auf eine andere Existenz jenseits dieser).

Mein Versuch, dies in Musik zu übertragen, war natürlich zum Scheitern verurteilt, da die Konkretheit, Inhaltlichkeit einer sprachlichen Mitteilung in Musik nicht gegeben ist, und so auch die Negation nicht die Schlüssigkeit und Verständlichkeit einer sprachlichen Verneinung hat. Wenigstens war die Idee Auslöser und Agens für ein Stück Musik und wenn dies Stück Musik zumindest ein bisschen von der Boden- und Haltlosigkeit der hiesigen Welt wieder­spiegelt, dann hat es seinen Sinn doch nicht ganz verfehlt.
 

Dauer: 8 Minuten

Uraufführung: 4.10.1991, Luzern
Sofia Dodds, Kyli Dodds, Violine; Andra Ulrichs, Viola; Katrin Mettler, Violoncello
 

vollständige Partitur  (PDF)

anhören: IIIIIIIVV