Andreas Grün

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Die Sonne
für beliebige Singstimme(n) und Instrumente (Georg Trakl)

1992
 

Seit 1990 habe ich einige Werke geschrieben, bei denen es gewisse Freiheiten der Besetzung bzw. des Zusammen­spieles gibt, etwa: die Trilogie … in die Nacht des Unbekannten …, … für des Menschen wilde Brust … und … wie der Sonne Strahl die Pflanzen …, deren Stücke sowohl als eigen­ständige Solo­stücke oder aber auch gemeinsam aufgeführt werden können; das Stück Eingang zu einem Steinbruch für Gitarre und Sprecher; und schließlich Die Sonne nach dem Gedicht von Georg Trakl:

Die Sonne

Täglich kommt die gelbe Sonne über den Hügel.
Schön ist der Wald, das dunkle Tier,
Der Mensch; Jäger oder Hirt.

Rötlich steigt im grünen Weiher der Fisch.
Unter dem runden Himmel
Fährt der Fischer leise im blauen Kahn.

Langsam reift die Traube, das Korn.
Wenn sich stille der Tag neigt,
Ist ein Gutes und Böses bereitet.

Wenn es Nacht wird,
Hebt der Wanderer leise die schweren Lider;
Sonne aus finsterer Schlucht bricht.
 

Das Stück kann mit beliebigen Sing­stimmen und Instrumenten besetzt werden, also ebenso von einer Sängerin mit Klavier dargeboten werden wie von einem kompletten Chor mit Orchester.

Es ist nur eine Stimme notiert; da diese „Ur-Melodie“ aber mehr Töne hat als der Text Silben, jede Silbe jedoch nur auf einen Ton gesungen werden soll, müssen nach Wahl des/der Ausführenden Töne wegfallen und dafür andere länger ausgehalten werden, so dass es vielfältige, aber dennoch auch nicht unbegrenzte Möglichkeiten gibt, das Stück zu realisieren: es bleibt stets „es selbst“, die Vielfalt der Möglichkeiten kann bei Einhaltung der vorgegebenen Regeln nie in reine Willkür umschlagen.
 

Dauer: 5½ Minuten

Uraufführung: 23.10.1992, Karlsruhe
Produktion des Süddeutschen Rundfunks (SDR) 1993
Doris Vetter und Rita Bieliauskaitė, Sopran; Malika Reyad, Anke Thomas und Theresa Franke, Mezzosopran; Daniel N. Seel (UA) / Andreas Grün (SDR), Klavier
 

vollständige Partitur  (PDF)

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