Andreas Grün

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Ausführlicher über mich

Aus eigenem Antrieb heraus nahm ich während meiner Schul­zeit Gitarren- und später auch Klavier- und Orgel­unterricht. Dass ich eine Zeit­lang sogar zwischen Gitarre und Orgel als Haupt­fach für das künftige Musik­studium schwankte, lag natürlich an der damaligen musikalischen Umgebung meiner Heimat­stadt Pforz­heim in der Ära des über­ragenden Kirchen­musik­direktors Rolf Schweizer, in dessen Oratorien­chor ich singender­weise viele der großen Werke der abend­ländischen Musik kennenlernen konnte.

Die Entscheidung fiel dann doch zugunsten des leiseren Instruments aus, in Gestalt eines Schul­musik­studiums mit Leistungs­fach Gitarre in Karls­ruhe, zu dem sich dann später das Beifach Musik­wissen­schaft gesellte. Prägende Lehrer waren dabei Wilhelm Bruck (Gitarre), Jürgen Hübscher (Laute), Herbert Seidemann (Klavier), Martin Schmidt (Dirigieren), Rudolf Kelterborn (Musik­theorie) und Ulrich Michels (Musik­geschichte). Zahl­reiche Kurse bei nam­haften Gitarristen sowie privater Gitarren­unterricht bei Hans-Michael Koch (Hannover) be­gleiteten mein Studium. Anschließend besuchte ich als Stipendiat der Accademia Chigiana in Siena die Meister­klasse von Oscar Ghiglia und beendete meine akademische Ausbildung als Gitarrist mit einem Stipendium des DAAD in Wien bei Konrad Ragoßnig. – Das Kompositions­studium bei Wolfgang Rihm führte mich dann zurück nach Karlsruhe. Abschließend studierte ich noch ein Jahr lang Komposition bei meinem früheren Lehrer Rudolf Kelter­born in Basel.

Damit schienen die Lehr­jahre beendet zu sein. 2008–09 bekam ich dann allerdings aufgrund einer Spiel­störung noch einmal ent­scheidende Impulse von dem bedeutenden, damals bereits über 80-jährigen hol­län­dischen Musiker­physio­therapeuten Gerrit Onne van de Klashorst, der mir ein ver­tieftes, in einigen Punkten grund­legend von traditionellen Lehr­meinungen ab­weichendes Ver­ständnis von Spiel­technik ver­mittelte.

Konzert 2018 Dass mein kompositorisches Schaffen – Werke für ver­schiedene Solo­instrumente, Vokal- und Kammer­musik sowie Chor- und Orchester­werke – fast aus­schließlich in den 80er- und 90er-Jahren entstand und auf­geführt wurde, ist dem ein­fachen Umstand geschuldet, dass die Gitarre schon die ganze Zeit über den be­deutenderen Anteil meines Brot­erwerbs sicherte und von daher immer mehr die Priorität in meiner beruflichen Tätigkeit genoss.

Da ich schon seit Studienzeiten nicht nur als Solist konzertiere, sondern gerne und regel­mäßig auch als Kammer­musiker auftrete, konnte ich über all die Jahre mit vielen hervor­ragenden Kollegen bis hin zu wunder­baren Orchestern und Dirigenten im In- und Aus­land musizieren, sei es live und un­plugged auf der Bühne oder abgeschottet im Studio für Rundfunk- oder Ton­träger­produktionen. Einen geo­grafischen Schwer­punkt stellte dabei 1994–2005 das gerade un­abhängig gewordene Litauen dar, wo ich die Gelegenheit hatte, mit groß­artigen Musikern zusammenzu­spielen. Eine solche Zusammen­arbeit, nämlich mit dem Čiurlionis-Streich­quartett aus Vilnius, wurde dann 2001 beim Inter­nationalen Kammer­musik­wett­bewerb Schwein­furt, wo ich als einziger deutscher Teil­nehmer die Final­runde erreichen konnte, mit dem zweiten Preis aus­gezeichnet – die höchste Aus­zeichnung, die an ein Ensemble mit Gitarre ver­geben wurde.

Konzert als Solist mit Orchester im Jahr 2000

Trotz solcher Erfolge: Auch vom Kon­zertieren allein wird man nicht satt. Und daher bin ich immer auch als Pädagoge tätig gewesen, sowohl an der Basis, mit Kindern und Jugendlichen, als auch in der Berufs­aus- und Fort­bildung. Ein kurzer Vertretungs­lehr­auftrag an der Musik­hoch­schule Karls­ruhe war mein Ein­stieg in die Lauf­bahn als Hoch­schul­lehrer. 2003–12 leitete ich dann an der Mann­heimer Musik­hoch­schule den Gitarren­kurs für Schul­musiker und 2006–21 war ich schließ­lich Lehr­beauftragter an der Musik­hoch­schule Trossingen, wo ich sowohl das Haupt­fach Gitarre unter­richtete, als auch den vier­semestrigen Kurs „Neue Musik für Gitarre“ ab­hielt, der regel­mäßig mit den von mir organisierten „Tagen der Neuen Gitarren­musik“ endete.

Trossinger Tage der Neuen Gitarrenmusik 2015 Gesprächsrunde mit Wilhelm Bruck

Nachdem ich auch früher gelegentlich Texte über ver­schiedene gitarristische Themen ver­fasst und ver­öffentlicht hatte, führte der Neue-Musik-Kurs mich zu meiner umfang­reichsten Recherche, nämlich über Hans Werner Henzes bis dahin ver­schollenes erstes Gitarren­werk, seine 1955 ge­schriebene Musik zum Rund­funk­roman Der sechste Gesang. Ich konnte dabei das Manu­skript auf­finden und diese Musik 2016 in ihrem ur­sprünglichen Kontext posthum ur­aufführen. Meine aus­führlichen Essays über dieses Thema erschienen in ver­schiedenen Musik­zeit­schriften und fanden inter­natio­nales Interesse.

Uraufführung des Sechsten Gesangs im Jahr 2016

Dass ich immer wieder eingeladen werde, Vor­träge zu halten, etwa über Henzes Gitarren­musik oder über meine von Gerrit Onne van de Klashorst geprägten und in meinem 2020 ver­öffentlichten Buch Gitarren­technik meistern mit musik­physio­logischem Wissen aus­führlich be­handelten Ge­danken zur Spiel­technik, ist mir stets ein will­kommener Anlass, Kollegen zu treffen und mich mit ihnen aus­zutauschen.

Vortrag beim EGTA-Symposium 2023

Meine Konzerte sind, verglichen mit früher, zwar etwas weniger geworden, bereiten mir aber – sowohl kammer­musikalisch als auch solistisch – immer noch großes Vergnügen.

Mit besonderem Stolz erfüllt es mich, dass etliche meiner ehe­maligen Schüler und Studenten inzwischen selbst erfolg­reiche Musiker, Wettbewerbs­preis­träger oder Hoch­schul­dozenten sind. Und vielleicht werden es ja noch mehr – denn nach wie vor gebe ich in Karlsruhe Privat­unterricht: für Anfänger, zur Vor­bereitung auf Musik­abitur oder Aufnahme­prüfung und im Sinne von „LLL“, lebens­langem Lernen, auch als berufs­begleitende Fort­bildung für Gitarren­lehrer und Konzert­gitarristen, bei Bedarf auch mit Unter­stützung in Rat und Tat zur Umstellung auf eine physio­logisch sinn­volle Technik zur Ver­meidung oder not­falls auch Über­windung von Fehl­haltungen oder Spiel­störungen.

Andreas Grün mit Pablo Márquez, Frédéric Zigante, Francesco Biraghi und anderen als Juroren beim Ruggero-Chiesa-Gitarrenwettbewerb 2014 in Camogli